Ich nutze jetzt schon seit einiger Zeit mehr oder weniger aktiv Twitter. Lange Zeit habe ich gedacht: Boah, was soll das schon sein, wie soll man inhaltlich was gutes in 140 Zeichen unterbringen? Ganz einfach: Gar nicht. Muss man auch nicht. Twitter ist in meinen Augen keine Contentplattform wie ein Blog, sondern ein Art “Schwarzes Brett”. Es ist irgendwie vergleichbar mit Messenger-Gesprächen mit meinem Mitbewohner – wir schicken uns aus Bequemlichkeit einfach interessante Links hin und her. Twitter ist in meinen Augen nun ein etwas unpersönlicherer Messenger, mit dem Vorteil, das alle sehen können, welche Links oder Gedanken ich poste.
Besonders die Link-Geschichte macht die Sache für mich interessant – ich habe ein viel höheres Informationsaufkommen durch die ganzen Links, die die Leute so in Web blasen. Viele Sachen sind unheimlich interessant und wären untergegangen, weil es sich trotz allem nicht lohnt, einen Blogeintrag darüber zu schreiben. Nervig an den Links sind die Accounts, die wahllos und automatisiert jeden Blogeintrag den sie machen in ihr Twitter-Netzwerk pumpen. Da macht das Mitlesen keinen Spaß mehr, dafür gibts RSS-Feeds.
Persönliche Gedanken sind bei Twitter eine zwiespältige Sache. Einerseits kann man uninteressanten Mist vor sich hinbrabbeln (und ich geb zu, ich tue es auch manchmal). Andererseits ist es eine gute Plattform um durch ein paar Replies die Tragfähigkeit des Gedanken zu evaluieren und daraus eventuell einen Blogeintrag oder sonstwie gearteten Text zu machen. Was mich auch nervt, sind Leute, die ganze Blogeinträge in 5x 140 Zeichen unterbringen müssen. Der sonst von mir sehr geschätzte Jens Ferner fällt mir da desöfteren unangenehm auf (übrigens auch mit den Artikel-Verlinkungen seiner Blogs, s.o.).
Ingesamt bin ich positiv von der Plattform überrascht, auch wenn ich dem Nutzen für Unternehmen noch skeptisch gegenüberstehe. Dem SPIEGEL ONLINE Account werd ich wohl nie followen, mir sind schon die Informationsmassen des RSS-Feeds zuviel. Aber viele gute “private” Accounts möchte ich heut nicht mehr missen.
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