Rückblick: Tipps für das erste Semester

Also, ich bin ja nun schon seit einigen Wochen aus dem ersten Semester raus und will nun hier mal die Schrecken meine Erfahrungen verarbeiten. Darum einige Tipps von mir:

1. Willkommen an der Uni. Nutzt die erste Woche.

So viele Informationen wie in der Ersti-Woche bekommt man selten nochmal. Seid anwesend, nervt die Leute mit euren Fragen, schaut euch Hochschul-Initiativen, die Uni selber und euren Studienort an. Auch die Studienfachinformationen sind wichtig: was euch hier erklärt wird, müsst ihr verstehen. Sonst habt ihr am Ende irgendwas falsch verstanden und euch fehlt ein lästiger Schein oder sowas. Oder ihr sitzt in irgendwelchen AGs, die euch nix bringen, obwohl ihr gar keine Anwesenheitspflicht mehr habt.

Bei uns an der Uni gabs auch viele tolle Seminare, z.B. wissenschaftliches Arbeiten im juristischen Bereich, organisiert von der Universitätsbibliothek. Wer sowas nicht nutzt, ist selber schuld – man hat das restliche Semester viel Zeit, um sich seinen sonstigen Aktivitäten zu widmen, aber hier sollte man aufpassen.

2. Wägt ab. Was will ich schaffen und Wie komm ich dahin?

Ich habe recht schnell erkannt, dass ich nicht bei jeder Vorlesung anwesend sein muss. Mir lag es eher, bis um zehn auszuschlafen und dann mit den Büchern zu lernen. Manche Vorlesungen habe ich trotzdem besucht, weil ich mich aktiv mit einbringen wollte, andere weil ich das Gefühl hatte, was mitzunehmen.

Wenn ihr aber das Gefühl habt, nichts von einer bestimmten Vorlesung zu haben, dann habt den Mut und geht nicht hin. Als Student hat man endlich die Freiheit, selbstbestimmt zu lernen – nutzt die also auch. Eine Stunde in der Bibliothek mit der entsprechenden Literatur kann definitiv eine Vorlesung aufwiegen.

Andererseits: nutzt die Angebote, die ihr habt. Wenn ihr irgendwo Probleme bemerkt, dann geht zu den AGs (an der Viadrina müsst ihr eh in jedem Gebiet eine besucht haben), macht die Übungen mit und fragt eure Mitstudierenden.

Euer Ziel wird ganz konkret das dauerhafte Behalten der Basics sein und natürlich das gute Bestehen der Semesterabschlussklausuren. Jedenfalls wars bei mir so. ;) – Also verhaltet euch entsprechend: macht nicht das, was alle machen, sondern studiert so, wie ihr am meisten nutzen davon habt.

3. Werdet keine Fachidioten.

Das ist das, was mir am Anfang sehr, sehr wichtig war. Nur weil ihr jetzt Jura studiert, solltet ihr nicht den Kontakt zu euren alten Freunden abbrechen oder nur noch mit Leuten aus eurem Studium herumhängen. Ist natürlich eine Möglichkeit und disqualifiziert euch auch nicht, aber mir persönlich waren diese Leute unangenehm. Man merkt schon, wie einen das Studium beeinflusst, wenn man auf einer Party auf andere Juristen trifft, aber man sollte sich irgendwie den Horizont noch offen halten. Ganz konkret mach ich das über zwei Sachen: politisches Engagement und meine Firma (Spreesilber), die sich mit Werbung und Public Relations beschäftigt. Dabei habe ich das Gefühl, hat irgendwie noch mehr als “nur” Jurist zu sein. Und lerne viele interessante Leute kennen.

Natürlich muss man sich nicht die Woche so zuhauen wie ich. Wenn das Studium drunter leidet, dann lieber eure Nebenprojekte abbrechen bzw. auf Eis legen. Aber trotzdem drauf achten: es gibt noch eine soziale Welt außerhalb der Hörsääle.

4. Früh übt sich.

Wer Energie dazu hat: schafft euch einen juristischen Nebenjob an. Die Erfahrungen und Kontakte, die ihr daraus gewinnt, sind Gold wert. Ich habe mich noch vor dem Studium bei einer Großkanzlei in Berlin beworben, habe da einen Job bekommen und mach das jetzt fast ein Jahr schon. Nun muss es nicht gleich eine Großkanzlei sein. Je nach Interessengebiet solltet ihr euch euer Unternehmen raussuchen oder an der Uni bleiben. Aber auf jeden Fall: bewerbt euch, gebt die Bewerbung am besten persönlich ab und ihr findet auch was. Aber auch hier gilt: wenn ihr merkt, dass eure Studium drunter leidet, dann sprecht mit eurem Arbeitgeber und verwendet dort nicht ganz so viel Zeit.

Übrigens ist es auch schön, etwas mehr finanziellen Spielraum zu haben. Ein nicht ganz unwesentlicher Punkt. Abgesehen von anderen Leistungen, die ihr bekommt, z.B. den Zugriff auf eine Bibliothek, wo alles da ist, und wenn nicht: ihr wisst wer es hat. Oder die Möglichkeit, kurz mal in einem Büro vorbeizuschauen und eine Frage zu haben ;)

5. Lasst es euch Spaß machen

Letzter und wichtigster Punkt: studieren muss auch Spaß machen. Find ich jedenfalls – irgendwie muss man den Zugang zum Studiengebiet bekommen. Und das geht recht einfach, indem man sich dafür begeistert, lustige Sachverhalte kennt (hier sei u.a. das Lawblog und Richter Ballmanns Blog erwähnt, mit ihren entsprechenden Kategorien) und allgemein irgendwie einfach ein gutes Gefühl hat dabei.

Wer jetzt hier noch andere schöne Empfehlungen erwartet, sei erstmal auf diverse andere Fundstellen verwiesen, z.B. beim Jurakopf (1, 2). Hier im Blog sind folgende Artikel vielleich lesenswert:

Allgemeine Tipps
Team-Work
Selbstorganisation

Lerntheoretische Onlinevorlesung
Loci-Methode

Rezensionen
JA für Erstsemester 2008
Gramm/Wolff – Jura – erfolgreich studieren
JuS Start – Das Erstsemesterheft 2008
Degenhart – Staatsrecht I
Fahl/Winkler – Definitionen Strafrecht


Trackback URL

One Comment on "Rückblick: Tipps für das erste Semester"

  1. MikE .S
    15/05/2009 at 10:21 Permalink

    Toller Beitrag, hätte ich nicht besser zusammenfassen können! Insbesondere Punkt 3 kann man nicht genug unterstreichen!
    Sehr viele Juristen verlieren leider schnell den Kontakt zur Außenwelt. Da Recht aber ALLES betrifft und alles sein kann, ist das nicht nur schade, sondern sogar gefährlich. Der Jurist sollte mehr als eine bloße Subsumtionsmaschine sein.

Hi Stranger, leave a comment:

ALLOWED XHTML TAGS:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Subscribe to Comments