Auf Twitter wird es überall verbreitet, sogar die großen Medien scheinen Interesse zu zeigen (sogar außerhalb der taz!): Das Video, das zeigt, wie Beamte der 22. Hunderschaft einen Mann auf dem Fahrrad verprügeln und mehrere Umstehende in Mitleidenschaft ziehen. Eine ganze Netznation effauchiert sich über diesen Polizeiübergriff.
Leider kann ich denen, die jetzt auf Verurteilungen und Konsequenzen warten, nur sagen: Sorry, aber höchstwahrscheinlich wird da nichts weiter kommen. Im Gegenteil, die Opfer werden wohl noch Anzeigen wegen “Widerstand gegen Vollstreckungsbeamten”, “versuchte Gefangenenbefreiung” u.ä. zu erwarten haben.
Als Beispielfall sei hier mal auf ein Video von 2005 gezeigt, der Gelöbnisprotest in Berlin, auf dem ein Zivilpolizist total ausrastet und mehrere Tonfa-Drehwuchtschläge auf Kopf(!)höhe ausführt. Wer sich etwas mit Kampfsport usw. auskennt, weiß, dass diese Schläge tödliche Verletzungen herbeiführen konnten. Die Konsequenzen damals? Keine, bis auf die Versetzung des Polizisten. Schön nachzulesen auch hier.
Es wird also nicht viel bei rumkommen. Ich habe in meiner Abiturprüfung als 5. Prüfungskomponente einen Vortrag über psychologische Ursachen von Polizeigewalt gehalten. Darunter war auch die fehlende Verfolgung der Taten und der Korpsgeist, der Kollegen füreinander Falschaussagen machen lässt. Aus der Präsentation noch ein paar Zahlen: Ingesamt kam es im Zeitraum 1995 bis 2004 in nur 1,3% der angezeigten Fälle zu einer Anklage und nur in 0,4% zu einer Verurteilung.
Das Handout zum Vortrag könnt ihr euch hier durchlesen, vielleicht interessiert es jemand? Kommentare dazu sind gerne gesehen.
15/09/2009 at 09:53 Permalink
Hans,
ich teile Deine Einschätzung bzw. Aussage, dass Polizeigewalt vor allem im Rahmen von Demonstrationen und auch anderen Großeinsätzen wie Fußballspielen eigentlich nie zu ernsthaften Konsequenzen für die Täter führt.
Ich habe aber bei aktuellen Fall die Hoffnung, dass die Öffentlichkeit, die die Webszene schaffen kann und schafft es den Verantwortlichen nicht so leicht macht wie sonst.
Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt…
Klaus