Filmtipp: American Violet

Ich habe das Gefühl, das in letzter Zeit nur wenige Filme mit juristischem Hintergrund veröffentlicht werden. Und noch weniger gute. Gleich vorweg (ich muss ja keinen Gutachtenstil einhalten ;-) ): Dieser Film ist einer der besten Filme mit juristischem Bezug, den ich seit langer Zeit gesehen habe: American Violet.

Es geht im wesentlichen darum, dass Dee, eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die sich mühsam durchs Leben schlägt, im Rahmen der Melody Drug Busts festgenommen wird. In ihrer kleinen texanischen Stadt verhält sich DA (District Attorney, sozusagen ein Bezirksstaatsanwalt) Beckett rassistisch – Afro-Amerikaner sind ihm ein Dorn im Auge. Und so werden auch Unschuldige festgenommen, unter ihnen Dee. Da Beckett aber nicht nachweisen kann, dass seine Quelle, die zur den Melody Busts führte, glaubhaft ist, werden die Anklagen fallen gelassen.

An der Stelle kommen zwei Anwälte der ACLU in Spiel, die mithilfe eines lokalen Anwalts (und pikanterweise ehemaligen Drug Task Forces Ausbilders) versuchen, Beckett und die Drug Task Forces dem systematischen Rassismus zu überführen. Während also die Klage gegen Beckett läuft, muss sich Dee um ihre alltäglichen Probleme kümmern: Streit mit ihrem Ex-Freund um die Kinder, die Arbeitssuche nach ihrem Haftaufenthalt und die Einschüchterungsversuche von Beckett.

Zuerst einmal sind die unterschiedlich fein gezeichneten Figuren erwähnt. Dee und Beckett bilden die Gegenpole: sie als unschuldige Mutter, die ihre Kinder über alles liebt und sich tapfer durch ihr Leben schlägt. Und er als rassistischer Staatsanwalt, der immer in einer Übermächtigen, vom Wählerwillen absolutierten Position erscheint. So weit, so bekannt. Doch die Charaktere im Spannungsfeld dazwischen sind unglaublich einfühlsam gezeichnet: Da wäre Dees Mutter, die ihre Tochter unterstützt wo sie nur kann, aber zu sehr im Trott des Systems zu sein scheint, als dass sie Auflehnung unterstützen würde. Manche Entscheidungen trifft sie subjektiv falsch, hat aber gute Gründe dafür – man weiß nicht so recht, was man davon halten soll. Auch die ACLU Anwälte sind sehr schwierig zu verstehen: Sie haben Schwierigkeiten, die realen Bedingungen unter ihre Ideale zu subsumieren. Dabei bricht nur an wenigen Stellen ihre Professionalität auf und lässt Emotionen durchscheinen – und auch dort nur auf sehr subtile Art und Weise, die aber ihren Antrieb umso wichtiger erscheinen lässt.

Letztendlich bekommt man auch einiges über die USA mit, die das Verständnis des dortigen (Straf-)Rechts erleichtern. So wird insbesondere auf die Rolle der Schuldeingeständnisse (plea bargains) und den damit zusammenhängenden Deals kritisch eingegangen. Auch bekommt man eine Vorstellung davon, was die weitgehende Gesetzeshoheit der einzelnen Bundesstaaten für Folgen hat (hier Bespielhaft am Strafprozessrecht erklärt).

Alles in allem also ein Film, den man, insbesondere wenn man sich für amerikanisches Recht und Bürgerrechte interessiert, gesehen haben muss!


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