Filmreview: Sturm

Mal einen Hinweis auf eine deutsche Produktion, die sich mit rechtlichen Themen auseinandersetzt: “Sturm” aus dem Jahre 2009. Inhaltlich geht es um eine Anklägerin, Hannah, vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, die einen Fall gegen einen jugoslawischen Offizier führt, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Ihr Hauptbelastungszeuge erhängt sich nach einer offenkundigen Falschaussage – fatal für die Anklage. Doch seine Schwester, Mira, erzählt, nachdem sie mühsam überzeugt werden konnte, ihre Geschichte – die dem Fall grausame Details hinzufügt und neue Dimensionen hervorruft. Doch ihre Geschichte kollidiert mit den Beitrittsinteressen Bosniens zur EU und ruft auf politischer und krimineller Ebene Widerstand hervor.

Der Film an sich ist sehr ruhig, sehr überlegt geführt, kommt an einigen Stellen aus sich, wird schneller, die Realität scheint die Juristen in ihrer überlegten Art zu überrollen. Die Charaktere sind recht solide gezeichnet, hier zeigt der Film einige Schwächen – einige emotionale Bindungen zwischen den Charakteren sind schlecht gespielt, so z.B. zwischen Hannahs und ihrem Liebhaber als auch zwischen Mira und ihrem Mann. Das trübt das Ergebnis etwas. Andere glänzen dafür, insbesondere die Annährung zwischen Hannah und Mira.

Der Film stellt ganz zentrale rechtsphilosophische Fragestellungen: Wofür (Straf-)Recht? Soll es der Vergeltung, dem Ausgleich, der Gerechtigkeit gegenüber den Opfern dienen? Oder soll eine Tat für das gesellschaftliche Zusammenleben sanktioniert werden und muss sich ihre Verfolgung gegenüber anderen gesellschaftlichen Prozessen der Abwägung stellen? Es hat mich zum Nachdenken über den Begriff der politischen Justiz gemacht – politische Justiz ist nicht nur, wenn Strafe aufgrund von politischen Motiven, Druck und Agitationen verhängt wird, sondern auch, wenn eine Strafe zugunsten von politischen Zielen nicht verhangen wird. Rechtfertigen die politischen Folgen eines Verfahrens, gerade auf internationaler Ebene, das Strafbedürfnis. Ist die Gerechtigkeit für hundert Opfer gerechtfertigt gegenüber den tausenden möglichen Toten, die ein Bürgerkrieg aufgrund des Verfahrensergebnisses bringt? Diese Fragen lässt der Film unbeantwortet, auch wenn Hannah sich für einen Weg entscheidet. Er ernüchtert, in Hinblick auf Gerechtigkeit, in Hinblick auf den Anspruch an Justiz. Aber er sagt auch: das letzte Wort ist nicht gesprochen.

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Daten
Titel: Sturm
Regie: Hans-Christian Schmid
Darsteller: Kerry Fox, Anamaria Marinca
Land/Jahr: Deutschland/Dänemark/Niederlande, 2009


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One Comment on "Filmreview: Sturm"

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  1. [...] Aber bevor ich mir Illusionen über internationale Gerechtigkeit und die Aufarbeitung von Kriegsgeschehnissen mache, schaue ich mir lieber noch ...

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