Status von studentischen Mitarbeitern

Ich muss mir jetzt mal etwas Frust von der Seele schreiben. Bei mir entwickelt sich langsam das Gefühl, dass viele Unternehmen und Kanzleien ihre studentischen Mitarbeiter bzw. die Bewerber darauf nicht für vollnehmen. Da werden Termine verpasst, Mails nicht geschrieben, man telefoniert 3-4x hinterher, obwohl die einen angeschrieben/gefragt haben. Es werden Versprechungen gemacht, alles scheint in Sack und Tüten, “der Rest ist nur noch eine Formalität” – und dann klappt es doch nicht. Man mag mir hier vielleicht gekränkte Ehre vorwerfen, aber ich habe das Gefühl, dass es da eine Struktur hinter gibt: mir ist das nun schon einige Male passiert und es ist ja auch nicht so, als ob ich es nötig hätte, den Jobs hinterherzulaufen, ich war zu dem Zeitpunkt versorgt. Vielmehr waren es Übernahme- bzw. alternative Angebote, die mich in ihrer Aufgabenstellung gereizt haben. Darum ist es mir gänzlich unverständlich, warum man da die Sachen so schleifen lässt und unprofessionell abwickelt. Würde sowas bei Associates/Jung-Anwälten die Regel sein, wäre das Geschrei groß und der PR-Gau vorprogrammiert.

Vielleicht liegt es auch an einer fatalen Unterbewertung von studentischen Mitarbeitern: die Aufgabenbereiche sollten halt nicht nur im Kaffee holen und Bücher sortieren bestehen sondern vielmehr die Kenntnisse, die bei Studenten ganz frisch im Kopf sind, gezielt benutzen und die Kreativität, die in ihrem Umgang mit Recht noch da ist, gewinnbringend einsetzen. Natürlich gibt es da auch Schattenseiten, Kreativität im Umgang mit Recht kann halt auch bedeuten: Recht falsch angewandt. Aber da besteht halt eine Wechselbeziehung: der Student bringt seine Eigenschaften mit in die Kanzlei/das Unternehmen und seine Kollegen zeigen ihm, wie er sie wo am besten einsetzen kann, wo seine Probleme liegen usw. – das kostet Zeit, aber so schafft man motivierte Mitarbeiter, an die man vertrauensvoll auch Sachen delegieren kann. Darin liegt aber, so habe ich es aus dem Gespräch mit einem anderen Juristen mitgenommen, eine der großen Problematiken: Sachen zu delegieren, Vertrauen aufzubauen. Auch hier die Forderung: Anwälte, geht auf die bei euch beschäftigten Studenten zu! Fangt an, Verantwortungen zu übertragen und baut euch damit die Generation von Associates und Partnern auf, mit denen ihr einige Jahre später arbeiten möchtet. Was übrigens auch eine ganz interessante Einsatzmöglichkeit ist: die Pro-Bono-Abteilungen. Viele Studenten haben und hatten genug Zeit um in gemeinnützigen Sachen mitzuarbeiten, waren vor dem Studium im Ausland und haben z.B. in afrikanischen Hilfsprojekten gearbeitet. Sprich: man ist noch vernetzt. Ich behaupte, das viele Studenten eher das Auge für kleine, aber wichtige Projekte haben, durch ihren Bekanntenkreis etc. als viele Anwälte selbst. Damit würde die Projektvergabe nicht immer nur an die großen Player der Hilfsorganisationen gehen. Pro-Bono ist natürlich eine Sache, die v.a. Großkanzleien und Unternehmen betrifft. Aber auch in den kleinen Kanzleien gibt es Möglichkeiten, Studenten einzusetzen, und fehlender Platz ist da gar nicht mal das Problem, zumindest ich hätte auch kein Problem mit einem Laptop im Besprechungsraum zu arbeiten. Gerade alleine arbeitende Anwälte werden zwar vom Sekretariat unterstützt, aber einige juristische Sachen können dadurch trotzdem nicht delegiert werden. Gezielt könnte man aber einzelne Fragestellungen aus einem Fall raus lösen und seinen studentischen Mitarbeiter um ein kurzes Gutachten, kommentiere Literaturauswahl zum Problem o.ä. bitten. Man muss einfach nur fordern!

Das Ganze natürlich auch als Appell an Studenten: gerade ein Kanzleijob ist kein Job, wo man nur für die Studienfinanzierung arbeiten sollte. Vielmehr könnt ihr soviel für euch daraus ziehen: man sieht Mandanten, man kann Akten lesen, man bekommt ein Gefühl dafür, was es heißt unter der Verschwiegenheitspflicht zu stehen – und wenn man Glück hat, bekommt man mit, was es heißt juristisch in der Praxis zu arbeiten. Nehmt euch nicht als Kaffeeträger war, sondern versteht euch als Teil von Rechtsberatung und juristischem Personal – und habt Ansprüche und ganz wichtig: Vertrauen an/in euch.

Wenn solche Gedanken durchgedrungen sind zu den HR-Partner, zu den Personalabteilungen und zu den Kollegen mit denen man arbeitet, dann kommen wir vielleicht auch mal weg von den elitären Jobmessen, von den Vitamin-B-Angestellten und von so einigen anderen gruseligen Einschlägen, die man in juristischen Karrierewegen so hat. Und vor allem wird man als Student dann nicht mehr rumgeschubst wie ein Gummiball, landet irgendwo in der hintersten To-Do-Liste oder wird einfach ignoriert.

Es geht übrigens natürlich auch anders! Ich hatte jetzt zwei schöne und lehrreiche Jahre bei meinem Arbeitgeber, den ich zum Juli verlasse, weil ich mich neu orientieren will, und wurde dort immer äußert korrekt behandelt. Genauso wird mir auch bei Bewerbungen immer wieder (natürlich!) Höflichkeit entgegengebracht und Bedauern, wenn in der Kanzlei kein Platz oder Ressourcen vorhanden sind.


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