Wenn man sich auf JuraBlogs umschaut, mag man meinen, wir sind längst bei einer gut vernetzen Blawgstruktur angekommen. Aber so richtig … nein. Irgendwie passt das nicht. Über viele Sachen lese ich nur rüber, es gibt einen Haufen Blawgs, die gerade mal auf BILD-Niveau bloggen und Sachen, die mich fachlich als auch persönlich nicht reizen, und politisch desöfteren zum Kotzen bringen.
Katja Gelinsky stellt sich in der FAZ die Frage nach den deutschen Verfassungsblogs. Und spricht damit eigentlich etwas an, was für Blawgs gilt: Perlen gibt es nur wenige. Im Verfassungsbereich fällt mir vor allem der Verfassungsblog ein (der ja auch im Artikel erwähnt wird, aber ohne Verlinkung darsteht. Hallo, es geht um Blogs! Backlink, plz!), ferner als Meta-Blawg der Beck-Blog. Etwas komisch ist aber die Ansicht, dass erst Investitionen zu fachlich fundierten Blawgs führen. Das glaube ich nicht, solange der Blogger genug Zeit hat, kann er auch freiwillig und “ehrenamtlich” seinen Blog betreiben. Davon gibts ja auch einige, ich erinnere an den Richter Ballmann, der wirklich interessante Sachen aus dem Innenleben der Justiz gepostet hat – und dann von einem Topblogger Deutschlands, Udo Vetter, niedergemacht wurde, aufgrund persönlicher Wallungen oder ähnlich nervende Gründe. Damit hatte Vetter dann allen gezeigt, dass er sich nicht aufs Schuhleder treten lässt und Rechercheleistung bringen kann – und die Blawgs-Szene war ein bedeutendes Mitglied ärmer. Vielen Dank auch, Udo. Wahrscheinlich kann man wirklich mit Geld gute Meta-Blawgs aufbauen und Professoren und Großkanzleianwälte einbinden, die dann einen Gegenwert zur aufgebrachten Zeit bekommen. Jens Ferner fasst die Kritik an dem Gedankengang aber gut zusammen:
Auch der zwischen den Zeilen liegende Unterton “gutes Blog = Grosskanzlei = 150.000 US-Dollar” ist mir zu kurz gegriffen.
Allgemein nimmt Jens den Artikel gut auseinander, und bringt weitere berechtigte Kritik an, z.B. wenn es darum geht, warum Wissenschaftler nicht bloggen und warum allgemein der Verfassungsdiskurs so müde ist:
Schuld trägt auch die Medienlandschaft, zu der auch die FAZ gehört, in der das Zitieren juristischer Blogs bestenfalls eine Seltenheit ist.
Stimmt. Und dann auch noch, wie schon oben erwähnt, ohne Backlinks in den Onlineausgaben. Sorry, aber wie soll sich denn da eine rege Debattenkultur entwickeln? Allgemein fällt mir auch auf, dass in Blawgs eher wenig kommentiert wird. Jeder schreibt irgendwie nur auf seinem eigenen Blog und vergisst bei den anderen seine Kommentierung. Oder einen Trackback, wenn man auf seinem Blog eine Ergänzung zu einem anderen Beitrag schreibt. Letztens war ich übrigens begeistert, als der Rechtsjournalist Christian Rath, tätig bei der taz, sich auf dem Verfassungblog geäußert hat. Ich glaube, darum mag ich die taz. Wegen solcher Leute.
Jessica Köring nimmt den ganzen Artikel zum Anlass, um sich mal ein paar studentische Blawgs genauer anzuschauen. Sie macht dabei eine Linkliste (sowas hab ich hier auch) und kommt auf aktuell 9 Blogs von Studenten, u.a. mein Blawg. Nicht besonders lang, und irgendwie schaffen wir es alle auch nicht, so richtig einen Diskurs auf die Reihe zu bekommen. Darum stelle ich mir mal die Frage, was so ein Blawg für Studenten bietet.
- Ein Name. Nicht ohne Grund schreibe ich volle Namen in meine Artikel – wenn man über sein Studium lang ein Blog geführt hat und dann rauskommt, dann ist das was worauf man verweisen kann. “Lieber Herr Arbeitgeber, geben sie doch mal meinen Namen bei Google ein – da finden ziemlich viele Menschen interessant was ich so schreibe.”
- Kontakte. gleiches Prinzip – sobald man sich in den Diskurs mit den “erwachsenen Juristen” begibt, kommt da ganz viel an persönlichem Kontakt zustande. Man bleibt in Erinnerung und erinnert sich selber. Das kann einem in vielen Lebenssituation zu nötiger Hilfe oder interessanten Einflüssen verhelfen.
- Der erste Ansatz des wissenschaftlichen Arbeitens. Als Student schreibt man seine Hausarbeiten, später Seminararbeiten. Etwas mau, was wissenschaftliches Arbeiten angeht, immer auf dieser akademischen Ausbildungsebene, selten mit Fällen oder Sachverhalten, die auf der Zeitleiste nahe liegen. Viel eher sind manche Sachen älter als man selbst. Hier kann sich der geneigte Student die ersten Sporen verdienen, mit guten Gedanken zu tagesaktuellem Geschehen (ich selbst probiere das ja so einigermaßen zum politischen Strafrecht hinzubekommen), mit der Möglichkeit, seine Strukturen auf die Probe zu stellen. Keiner wird einem übelnehmen, dass man als Student nicht alles weiß und Fehler macht. Dafür sind wir Studenten.
- Die Möglichkeit anderen zu helfen. Das macht z.B. Jessica wirklich schön mit ihren Skripten zu bestimmten Einsteigerproblematiken. Auch beliebt sind Rezensionen (da bekommt man selber noch ein bisschen was wieder, nämlich kostenfreie Rezensionsexemplare).
- Hochschulpolitik. Wenn ich mehr an der Uni wäre, würde ich meinen Blog auch dafür nutzen: die Politik der Hochschulen zu beeinflussen. Bzw. seiner Hochschule/Fachschaft im speziellen. Viel andere Möglichkeiten, sich als Student abseits von Studierendenvertretung etc. einzubringen hat man nicht, und Blogs eignen sich dafür eigentlich hervorragend. Gutes Beispiel ist das Buc.Blog, bei dem immer wieder hochschulrelevante Sachen für die Brucerius Law School geschrieben werden.
Aber es gibt auch eine ganze Reihe Probleme und unangenehme Sachen, die mir auffallen. Nicht alles gilt für jeden, und manches gilt auch für mich, aber angesprochen sei es in allgemeiner Form trotzdem mal.
- Content. Wo? … Genau, wo ist eigentlich Content. Lange Artikel sehe ich seit Jens bei Jurakopf etwas stiller geworden ist eh kaum noch, und inhaltsvolle auch nur sehr selten. Einige zehren von anderen Blogposts, die in Linklisten veröffentlicht werden. Oder es gibt die neusten BGH-Urteile frisch vom NJW-Feed gepastet. Eigener Content fehlt oft, und seien es nur Kommentierungen.
- Kritik. Und auch Kritik ist nicht so beliebt bei Studenten. Das sehe ich bei Rezensionen ganz oft, da scheint dann einfach nur positiv geschrieben zu werden wohl mit dem Gefühl: “Toll, eine Firma interessiert sich für mich, werd ich die blooooß nicht verschrecken”. Leute! Diskurs. Kritik. Liebe fürs Fach! Da geht noch einiges
- Werbung. Liebe Firmenbeteiligten die mitlesen – warum bietet ihr uns eigentlich nix? Bei den technischen Blogs ist das schon lange Usus, in diese Plattformen zu investieren. Ich will mit nicht den Blog mit Werbung vollkleistern, aber hey, ihr habt hier ein exzellentes Targeting, das könnte man ruhig mal nutzen. Einfach mal auf die studentischen Blawgs zugehen und mit denen absprechen, was man da für welchen Preis schalten könnte. Oder auch mal eine Idee: wir sind jung, in dem Medium drin und haben den Blick auf das was Studenten wollen – wir können Verlagen o.ä. durchaus dabei helfen auch mal ihren eigenen Blog aufzubauen. Etwas Geld in die “Szene” zu stecken fördert auch die Dynamik – wenn man hört, dass der Rubel rollt, haben einige Leute sicher auch etwas mehr Ehrgeiz. Das mag man finden wie man will, aber ich denke schon, dass es Sachen anrollen kann.
- Vernetzung. Ich glaube wir sollten mal anfangen uns irgendwie zu treffen (und sei es online) und Sachen anleiern. Vielleicht mal als Nachwuchs auf den juristischen IT-Tagen anwesend sein, als Gruppe. Oder Hilfestellungen planen. Gibt ja soviele Möglichkeiten direkt ins Gespräch zu kommen, wir könnten einen Mailverteiler einrichten, IRC-Räume nutzen, Skype-Konferenzen …. wer daran Interesse hat, kommt einfach auf mich zu, Kontaktdaten stehen ja hier im Blog.
Ich denke, das reicht erstmal als Diskussionsgrundlage, ich hoffe, darauf gibt es jetzt Feedback. Der Blick in die USA zeigt tatsächlich eines: da ist noch viel mehr möglich, und auch hier in Deutschland. Unsere Blawgosphäre hat potential, das wir nutzen müssen und wo wir anderen begreiflich machen müssen, dass es sich lohnt mit uns zusammenzuarbeiten. Akademiker, Firmen, Verlage, Anwälte und … nein, die Polizei nicht.
21/07/2010 at 19:27 Permalink
Ich kann dir nur Recht geben!
Meine Intention überhaupt zu bloggen ist zum einen eher egoistischer Natur und zum anderen der Punkt der Hilfe. Ich habe bei Studienbeginn festgestellt, dass es zwar Unmengen von Infos im Netz gibt, aber nicht so wie ich das in der Situation gerne gehabt hätte. Daher mach ich es halt selbst und freue mich über jeden dem ich helfen konnte. Natürlich ist es schwierig wirklichen Content in “nur” einer Richtung zu bieten, aber die Studieninhalte an sich sind eine gute Basis.
Bei manchen Blogs habe ich leider das Gefühl sie bloggen nur für´s Ranking. Dann entsteht eben die Bildzeitung und nichts anspruchsvolles. Dann lieber Bloggen aus Leidenschaft ohne schmückende Platzierungen!
Kritik ist ein großer Punkt. Ich bin der Ansicht Kritik hilft auch immer umzudenken und weiterzudenken. Manche sehen Kritik aber leider nur als Möglichkeit den “Großen” raushängen zu lassen und das meist auch noch Anonym. Schade drum, aber ich kann damit leben.
Auch der Punkt der Werbung ist eher unterentwickelt. Ich wundere mich über Verlage die auf Rezensionsanfragen nicht antworten, Werbeanfragen aus völlig anderen Gebieten und ähnliches. Dabei wäre doch gerade ein Studentischer Blog die richtige Plattform für Studentenorientierte Werbung. Nicht zuviel Werbung aber immerhin soviel das zumindest die Kosten für den Webspace gedeckt sind.
Ich bin gerne dabei einen Ring der Bloggenden Studenten zu gründen. Damit eben auch für uns – noch nicht “fertigen” – Plattformen da sind, außerhalb von Kanzleiwerbung und Berufsinterna die wir noch nicht beurteilen können.