Ein Abend mit “Pro Deutschland”

Bei den Chronologs habe ich diesen lesenswerten Bericht des Israelis Yoav Sapir gefunden, der sich mal bei einer Berliner Veranstaltung der rechtsextremen “Pro Deutschland”-Vereinigung dazugesetzt hat.

Richtig interessant ist es erst im zweiten Teil geworden, bei der Diskussion mit dem Publikum. Da habe ich gelernt, mit der deutschen Nationalidentität steht’s deswegen so mau, weil man “die ganze Zeit mit dem Holocaust beschäftigt ist”; O-Ton Herr Prof. Dr. Referent: “Das wird wohl wahr sein.”

Überhaupt könne man nicht frei auf Deutschland stolz sein, solange man “nicht einmal Israel kritisieren darf”, meint dann einer der Teilnehmer; dem fügt dann ein anderer hinzu: “Ja, gerade die Juden, die unter den Deutschen gelitten haben, machen jetzt das gleiche und wollen uns noch belehren!” O-Ton PD-Bundesleitung: “So ist es.”

Ist halt der gleiche antisemitische Scheiß, den man überall im weiteren rechten Umfeld hört, von CDU bis NPD. Israel sei böse. Die vernichten selbst, die dürften sich gar nicht beschweren. Holocaust sei eh überbewertet, sei doch schon so lange her. Blah Blah Blah. Ich bin beeindruckt, dass der Autor bis zum Ende des Abends durchgehalten hat.

Als der Referent im Gespräch dazu kommt, über die fürchterliche Niederlage im Krieg zu sprechen und über die damit einhergehende “moralische Vernichtung” Deutschlands, höre ich plötzlich eine junge, weibliche Stimme: “Intrigen, alles Intrigen.” Die entschlossene Feststellung findet unter den anderen zwar keine ausdrückliche Unterstützung, aber auch keine Zurückweisung.

Und trotzdem hört man innerlich alle jubeln. Oder? Der Artikel macht auf jeden Fall klar: Pro Deutschland muss im Auge behalten werden, da muss sich das gleiche Engagement entwickeln wie gegen die NPD oder Reps oder all die anderen Neonazis.


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