Jurastudium lohnt sich? – DJT-Präsident im Interview

Die SZ hat ein interessantes Interview mit Martin Henssler, Präsident des Deutschen Juristentages, über die juristische Ausbildung online. Mit einer Aussage spricht er mir aus der Seele:

Seit zehn, 15 Jahren werden Praxisbezug und Schnelligkeit in den Mittelpunkt gestellt. Ich meine, dass heute die Befassung mit den Grundlagen des Rechts – Rechtsphilosophie, Rechtsgeschichte – zu sehr in den Hintergrund getreten ist. Wenn Absolventen des ersten Staatsexamens zwar in Seminaren schon Fragen des internationalen Wirtschaftsrechts behandeln, aber noch keinen Gedanken auf die Rechtsperversion im Dritten Reich verwendet haben, muss man schon fragen: Geht das in die richtige Richtung? Internationalisierung ist wichtig, Spezialkenntnisse sind wichtig, aber die Förderung eines verantwortungsvollen Juristentypus, der über das moralische Fundament des Rechts nachdenkt, sollte ein Grundanliegen bleiben

Ich merke auch, dass vielen Kommilitonen viele Grundlagen fehlen, dass in den ersten 4 Semestern viele Sachen am Rande liegen geblieben sind, die ich mich durch privates Interesse erarbeitet habe, wo ich aber der Meinung bin, dass sie in die ersten drei Semester unbedingt reingehören, so unter anderem auch die Aufarbeitung der jüngeren und jüngsten Rechtsgeschichte, insbesondere dass dritte Reich und danach der Vergleich der Rechtsentwicklung zwischen der BRD und der DDR. Das sind Sachen die uns betreffen, mit denen wir uns grundlegend und intensiv auseinandersetzen müssen. Zu letzterem z.B. die immer noch auftauchenden und andauernden Streitigkeiten über Immobilien, die zu DDR-Zeiten verstaatlicht wurden oder ähnliche Fälle. Diese Grundlagenfächer sind also nicht nur von moralischer Bedeutung, sondern helfen auch ganz praktisch.

Und dann ist da zusätzlich noch die moralische Bedeutung. Die sollte eigentlich zuvorderst stehen. Die Fragen nach der Macht dieses Instrumentes namens Recht, das wir lernen in der Hand zu halten. Was unter falschen Annahmen grausamste Auswüchse in seiner logischen Stringenz nehmen kann. Da muss man sich mit dem dritten Reich beschäftigen, da muss man sich damit beschäftigen, was Recht und Gerechtigkeit über die Jahrtausende für die Menschen bedeutet hat, da muss man eine Vorstellung finden, die man moralisch akzeptieren kann und mit dieser Vorstellung das Recht dann auch praktisch anwenden kann, in dem Glauben und der Hoffnung, damit Gerechtigkeit zu fördern.

Stattdessen geht’s ins Rep und man lernt Meinungen auswendig. Yeah.


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2 Comments on "Jurastudium lohnt sich? – DJT-Präsident im Interview"

  1. Fuchs
    23/09/2010 at 05:35 Permalink

    Ich kann dem nur voll und ganz zustimmen.

  2. stillerBeobachter
    23/09/2010 at 09:12 Permalink

    Hach, das motiviert doch wieder! Gerade auch auf Grund der Tatsache, dass ich für meinen Schwerpunkt meist nur belächelt werde (“und wozu braucht man das!?”)

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