Die Naziseite Altermedia, ein Infoportal, dass vom Namen her dem linksradikalen Projekt indymedia nachempfunden ist (dabei aber statt auf freie Texte auf redaktionelle Arbeit setzt), ist wohl schon etwas länger Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen. Inzwischen ist Anklage gegen die Betreiber erhoben, die Anklageschrift soll laut Störungsmelder 250 Seiten umfassen.
Den Männern werden 50 Straftaten vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft nennt eine ganze Reihe von Paragrafen aus dem Strafgesetzbuch, gegen die beide Angeklagten verstoßen haben sollen: Volksverhetzung, Beleidigung, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Bedrohung, Verunglimpfung des Staates und der Verfassungsorgane und ähnliches.
Die Website lebt davon, normale Medienberichte auszuwerten und in eigenem Sinn umzuschreiben und "einschlägig" zu kommentieren. Im Gegensatz zu anderen Internet-Portalen enthält sie aber auch Nachrichten aus dem Milieu der europäischen Rechtsextremisten, die normalerweise nur Insidern zugänglich wären. So werden zum Beispiel die Ambitionen des "Medienexperten" der NPD, Andreas Molau, auf den Parteivorsitz dargestellt und gleichzeitig die des mecklenburgischen NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs, der antreten wollte und dann doch wieder nicht. Ein Schwerpunkt sind die Gegner der Neonazis: "die Linken", wer auch immer gerade damit gemeint ist. Eine typische Schlagzeile: "Gedenktafel für kriminellen Bahnhof-Penner".
Altermedia hat für die rechtsextremistische Szene den Vorteil einer weltanschaulich eingefärbten täglichen Presseschau.
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