Sehr lesenswerter Artikel in der Zeit zur Diskussion um die juristische Benotung. Wahrscheinlich kennt jeder das Dilemma der Familie mal beibringen zu müssen, warum man “nur” mit 7 Punkten abgeschlossen hat – und sich trotzdem gut im Studium wähnt. Man stockt dann rum und stammelt was von “aber mit 4 Punkten hat man meistens schon 50% der Punkte” und am Ende sind alle trotzdem der Meinung, dass man das falsche Studium gewählt hat. Das nagt an einem.
Sehr schön wird im Interview gegen die Verfechter des Notensystems gestochen:
Manche Professoren erklären, dass man nicht erwarten könne, nach wenigen Semestern so sehr in dem Fach durchzublicken, dass man tatsächlich eine Leistung abgeben könne, die absolut herausragend wäre. Das Notensystem wäre demnach dem Respekt vor der Komplexität des Faches geschuldet. Diese Erklärung übersieht, dass eine Bewertung zugleich immer etwas über den Bewertenden aussagt.
Für mich ist das so eine Sache, die mich nicht wirklich tangiert. Letztendlich bin ich meiner Familie keine Rechenschaft schuldig und meine Arbeitgeber kamen bisher aus dem juristischen Bereich und kennen daher die Skala. Das will ich aber gar nicht als Verteidigung verstanden wissen: ich finde das System in seiner Tradition total überflüssig. Es hat schlechte psychologische Auswirkungen, so sinkt bei vielen sicherlich die Studienmoral, wenn sie das erste Mal 5 von 18 Punkten reingedrückt bekommen, ohne das Gespür für die Verteilung zu haben. Und dann die Sachen mit fachfremden Arbeitgebern oder Studienorten im Ausland:
Viele Universitäten müssen ein Official Transcript bereithalten, das die Zeugnisnoten der Absolventen erklärt, falls diese sich im Ausland bewerben wollen – mit "befriedigend" würde ja in England niemand genommen.
Ist doch totaler Mist. Ich weiß nicht, ob es unbedingt, wie im Interview vorgeschlagen, ein 7-stufiges System geben muss. Aber zumindest könnte man es dem 15-Punkte-System der Oberstufe in der Schule anpassen. Da hat man immer noch genug Abgrenzungsspielraum zwischen den Leistungen und präsentiert den Studierenden kein neues, unverständliches System.
13/03/2011 at 20:59 Permalink
Hihi, Paul Hauser ist Wissmit an der BLS