Die Berliner CDU fährt argumentativ zu Höchstformen auf. Nach der Attacke von Jugendlichen am U-Bahnhof Lichtenberg schlägt man vor, eine Bürgerwehr in Berlin einzurichten. Die hat ein paar nette Spielzeuge in petto, die die machtpralle Brust noch weiter anschwillen lässt:
Hilfspolizisten sollten für ihre Tätigkeit ausgebildet werden und dann eine polizeiähnliche Uniform, Schlagstock, Reizgas, Handschellen und Polizeifunkgerät bekommen, sagte er der „BZ“.
Und warum sollen die uniformiert sein?
Dregger begründete auch die Uniformen: In Anspielung auf den Rocker, der einen der Angegriffenen vom U-Bahnhof Lichtenberg rettete, indem er die Schläger vertrieb, sagte er, wenn die Kutte eines Rockers reiche, potenzielle Totschläger zu vertreiben, sei es Zeit für mehr Uniformen auf Straßen und Bahnsteigen.
Rocker, sonst die bösen Buben der Gesellschaft, werden jetzt Musterexemplar einer Bürgerwehr. Und wenn man das mal mit einem unkritischen Rockerbegriff übersetzt: Weil ein Bandenerkennungszeichen, halt eine Rockerkutte, für Respekt sorgt, soll jetzt auch die geplante Bürgerwehr mit Bandensymbolik arbeiten. Ick weiß, genauso polemisch. Aber ey, ist doch echt hypocrit. Und man denke an den Umkehrschluss: die Rockeratze und ihre Kutte hat den Kids ja nur so einen Schrecken eingejagt, weil Rocker halt einen entsprechenden gesellschaftlichen Ruf haben – soll dann die Bürgerwehr auch auf diese Art funktionieren? Die Uniformen wären dann Ausdruck einer brutalen, bewaffneten Bürgerwehr, die sich durch Menschenhandel und Drogen finanziert?
Abgesehen davon macht mir die Idee echt Angst. Irgendwie ist mir jetzt schon klar, wen das so anziehen wird, und die Vergangenheit hat dafür auch einiges an Stoff geliefert.
Der Vorläufer des FPD, die Freiwillige Polizeireserve, war 1962 in der Hochphase des kalten Krieges in Berlin gegründet worden. Die Truppe geriet in den neunziger Jahren wegen der Mitwirkung von Rechtsextremisten und Vorbestraften mehrfach in die Kritik.
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