Neustart: Auf dem Weg zum Examen

Founding Father Litt

Als ich die alten Beiträge deaktiviert habe – irgendwann werde ich mal ein Archiv aufbauen – habe ich damit sehr viel Geschichte in mir aufgewühlt. Der letze Beitrag war aus dem Sommer 2013, der vorletzte aus dem Sommer 2012. Ich habe hier also schon eine ganze Weile nichts mehr getan, was ich immer traurig fand, zumal viele Besucher_innen regelmäßig auf der Seite noch landeten. Immerhin hatte mich ViaJura seit meinem Studienstart 2008 treu begleitet und insbesondere die ersten Semester des Studiums hätte ich ganz anders ohne diesen Blog gestaltet. Dazu kommen die zahlreichen digitalen Freundschaften, die ich über die Jahre aufgebaut habe; auch die Tagungen, die Reisen, die Leseexemplare, die mir verschiedene Sponsoren ermöglicht und überlassen haben, haben mich weitergebracht.

Ich hätte das Studium fast aufgegeben

Aber irgendwann war die Luft raus. Ich hatte große Schwierigkeiten, mich mit dem Jura-Studium zu identifizieren; gleichzeitig hatte mein Leben viele Wendungen genommen. Politische Tätigkeit wurde im Zuge rassistischer Mobilisierung in Berlin und überhaupt in Deutschland und Europa für mich elementarer Bestandteil meines Alltags und hat mir viele persönliche Ressourcen abverlangt.  Dazu kam ein neuer Teilzeit-Job in der Berliner Landespolitik, der inzwischen meine Rechnungen zahlt. Ich hatte – zusammenfassend erklärt – große Probleme, das Studium wahrzunehmen. In einigen Semestern war ich (physisch) gar nicht an der Universität, nur eingeschriebener Student. Ich hätte das Studium fast aufgegeben.

Inzwischen bin ich im 13. Fachsemester. Ich hatte mir eine Frist gesetzt: wenn ich in diesem Semester nicht alle fehlenden Scheine zur Examensanmeldung sammeln würde, dann müsste ich mich nach einem anderen Studiengang oder einem Vollzeitjob umsehen. Ich habe rangeklotzt. Die Semesterferien mit zwei Hausarbeiten verbracht. Intensiv seit dem Semesteranfang gelernt. Mich nur auf das Studium konzentriert. Es hat sich gelohnt, beide ausstehenden „Übungen“ habe ich mit vernünftigen, einstelligen Noten im ersten Versuch absolviert.

Seit vergangener Woche bin ich, wenn ich keine elementaren Vorschriften übersehen habe, „scheinfrei“. In all der Doppeldeutigkeit, die dieses Wort in sich birgt. Auch den Schwerpunktbereich habe ich – nicht ohne Stolz verweise ich auf ein „gut“ im Ergebnis  – erfolgreich absolviert; schon 2013 habe ich den SPB „Grundlagen des Rechts“, wegen dem ich überhaupt erst an die Freie Universität gewechselt war, abgeschlossen. Eine Veröffentlichung der Studienabschlussarbeit erfolgt hier in Kürze.

Als ich im Winter meine weitere Studienlaufbahn geplant habe, mir die Frist für das Sommersemester gesetzt hatte, habe ich mir auch gesagt: wenn du das packst, dann fängst du auch wieder mit dem Bloggen an. Als Motivation, als Dokumentation, als Zeugnis des „Nicht-Aufgebens“, als Tagebuch, als Frustmüllhalde, als Empfehlungs- und Linkschleuder. Ich vermisse das regelmäßige Schreiben und ich bin mir sicher, dass es mir hilft, mich über die nächsten 10 Monate in den Vorbereitungen auf das 1. Examen auf das Wesentliche zu konzentrieren. Natürlich hoffe ich auf Feedback, ergänzende Kommentare, neue Bekanntschaften, fachlichen Input und neue Sichtweisen; vielleicht kann ich auch an einige Leser_innen zurückgeben, vielleicht helfen meine Erfahrungen und Beiträge bei der Bewältigung ganz eigener Probleme mit dem Studium, dem Leben oder dem Konflikt zwischen diesen beiden Elementen.

Über die Zukunft

Noch nicht so ganz klar bin ich mir bei der Frage, wie ich das Bloggen eigentlich ausgestalten werde. Ich habe mir vorgestellt, dass ich pro Woche zwischen 3 und 5 Artikeln posten werde, z.T. werden ich die schon vorbereiten und langsam über die Woche veröffentlichen. Die erste Artikel-Serie wird sich vor allem um die Erfahrung der letzten zwei Jahre und insbesondere der letzten Monate drehen. Da soll es darum gehen, warum ich dieses Studium trotz guter Noten fast nicht geschafft hätte, welchen Druck die Familie und Freunde auf die persönliche Entscheidung über Abbruch oder Weitermachen ausüben, was ich abwägen musste, warum ich trotzdem weitermachen wollte. Ich möchte darüber schreiben, wie sehr Wunsch und ehrliches Selbstbild manchmal auseinandergehen. Und wie sie wieder zusammenfinden können.

Im weiteren Verlauf des Monats werde ich diverse Studienleistungen veröffentlichen. Insbesondere meine Studienabschlussarbeit im rechtshistorischen Kontext („Der Sachsenspiegel als Rechtsquelle in Osteuropa“) liegt mir da am Herzen; dazu wird noch das kleine Paper im Kurs „Law & Development“ kommen, in dem ich mir die Entwicklungspolitik der DDR am Beispiel des Vertragsarbeiter_innen-Systems näher angeschaut habe.

Auch wird in diesem Monat noch am Design der Seite gearbeitet und der Unterbau neu gestaltet. Die Newsletter-Funktion ist schon da, wenn ihr keinen RSS-Reader benutzt und auch kein Facebook-Fan von ViaJura seid, dann ist das vielleicht eine passende Alternative, um über neue Artikel auf dem Laufenden zu bleiben. Vielleicht schaffe ich es auch, einige alte Partner_innen der Seite vom Neustart begeistern zu können´; vielleicht melden sich auch neue Autor_innen oder (Geschäfts- und Werbe-)Partner_innen – die richtige Adresse wäre dabei hans@viajura.de für sämtliche Anfragen.

Danach wird es sich mehr und mehr um das Examen drehen, während ich meinen eigenen Plan entwickle, wie ich diese ganze Sache angehe. Bis zum März 2016 wird ViaJura auf jeden Fall laufen. Im April kommt das Examen. Wie es danach weitergeht: wer weiß. Über die – unsicheren – Ergebnisse des Examens hinaus möchte ich gerade noch nicht planen. Ich habe Wünsche und Träume. Mal sehen, was daraus wird. Worüber ich plane zu schreiben: Lernmethoden, Hilfestellungen, Motivationen, Fachfragen, bemerkenswerte und relevante Urteile. Das ist bisher der Plan. Wenn ihr über bestimmte Themen lesen wollt, schreibt es gerne in die Kommentare.

Neustart

Das ist er also, der Neustart von ViaJura. Ich bin ehrlich gesagt etwas aufgeregt. Ob das alles so klappen wird? Ob es nicht zusätzliche Arbeit ist? Ob die Zeit der Blogs und Blawgs nicht schon vorbei ist? Ob das alles überhaupt jemanden interessiert? Aber selbst, wenn ich es nur für mich schreibe: Los geht’s!

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